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Reisen durch die Lombardei – Vielfalt in ihren schönsten Facetten


Die von den Hochalpen in Norditalien bis zur Po-Ebene im Süden reichende Lombardei hat viele Gesichter. Während es Kultur- und Modeliebhaber in die Metropole Mailand zieht, gibt es auch außerhalb der lombardischen Hauptstadt eine Menge zu entdecken. Nicht umsonst ist die Lombardei die Region Italiens mit den meisten UNESCO-Stätten. So bieten zahlreiche Kunststädte, romantische Bergdörfer, voralpine Hügellandschaften und reizvolle Seen nicht nur Gästen sehenswerte Panoramen, sondern auch Kinofilmen wie „Call me by your Name“ traumhafte Kulissen.


Unterwegs in der Modehauptstadt Mailand

 

Ein guter Startpunkt für eine Kurzreise durch die Lombardei ist die Modehauptstadt Mailand. Seit Jahrhunderten verzaubert sie Künstler, Musiker und Schriftsteller und zieht mit ihrem unverwechselbaren Charme zahlreiche Besucher aus aller Welt an. An einem Tag in Mailand kann man die künstlerischen und kulturellen Highlights erkunden. Der Mailänder Dom ist mit seiner charakteristischen Fassade aus weißem Marmor das Symbol der Stadt. Wer Zeit hat, kann von den begehbaren Dachterrassen nicht nur die zahlreichen Statuen auf den Turmspitzen bestaunen, sondern auch eine atemberaubende Aussicht auf die Innenstadt und die Bergketten der Alpen genießen. Wer das Shopping-Herz in Luxus-Boutiquen höherschlagen lassen möchte, wird auf der Via Monte Napoleone im Modeviertel oder wenige Meter vom Dom entfernt in der „Galleria Vittorio Emanuele II“ fündig.

 

Mailand – auch ohne Shopping ein Erlebnis

 

Doch auch ohne Shopping-Absichten sind ein Besuch der Galerie mit ihrer beeindruckenden Kuppelarchitektur und das Flanieren entlang der Schaufenster der besten italienischen Modeschöpfer lohnenswert und vergnüglich. Wer für ein paar Stunden den Modetrubel der Stadt hinter sich lassen möchte, kann im Nordwesten der Altstadt von Mailand einen Spaziergang durch das Castello Sforzesco und den Schlosspark machen. Wer sich nach einer langen Sightseeing-Tour stärken möchte, findet in Mailand zahlreiche Möglichkeiten. Beispielsweise bieten die weitläufigen Wiesen und Teichlandschaften des Schlossparks eine gute Möglichkeit zu picknicken. Wer es exklusiver mag und eine schöne Aussicht auf die Stadt genießen möchte, kann im Restaurant „Terrazza Triennale“ regionale Spezialitäten verkosten.

 

Ursprünglich italienische Lebensart in Crema

 

Bei einem Kurzurlaub kann man die besonders sehenswerten Drehorte des Kinofilmes „Call me by your name“ in Crema, Sirmione und Bergamo besichtigen. Der sinnlich romantische Kinofilm löst Bewunderung für die Städte aus, in denen er spielt. Das gilt auch für das rund 40 km von Mailand entfernt liegende Städtchen Crema. Beim Besuch des Domplatzes kann man sich in die Welt des Filmes hineinversetzen. Dazu tragen auch zwei Fahrräder und ein Kaffeetisch am Rande des Domplatzes bei. Diese erinnern an eine in Crema gedrehte Szene, in der die Hauptdarsteller Elio und Oliver sich bei einem Ausflug in die Stadt näher kennenlernen. Mit ihren verträumten Plätzen, kleinen Cafés rund um den Domplatz und den genussvoll umherschlendernden Menschen, verkörpert Crema ursprüngliche italienische Lebensart. Eines der ältesten Bauwerke ist der 1341 fertiggestellte gotische Dom. Sehenswert sind die Fassade und der schöne, reich verzierte Kirchturm aus Backsteinen. In den kleinen Gassen rund um den Dom gibt es Restaurants, in denen man regionale Köstlichkeiten genießen kann. Dazu gehören die Tortellini von Crema, die ohne Brühe gegessen werden und mit süßen und salzigen Zutaten gefüllt sind. Amaretto-Keks, kandiertes Zitronat, Gewürzkekse und Marsala-Wein vermischen sich zu einem ungewohnten Geschmack, der an die aromatische Küche Venedigs erinnert.

 

Cremona – Traditionelles Handwerk erleben

 

Seit mehr als 400 Jahren ist die Stadt Cremona unzertrennbar mit der Meisterkunst des Geigenbaus verbunden. Der wundervolle Klang der Instrumente machte nicht nur Geigenbauer wie Andrea Amati, die Familie Guarneri und Antonio Stradivari berühmt, sondern auch Cremona. Weltweit gilt Cremona als Symbol für die Meisterkunst des Geigenbaus. Heute wird der traditionelle Geigenbau von etwas 150 Geigenbauern fortgeführt und weiterentwickelt. Kürzlich wurde dieses Handwerk in Cremona von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. In Cremona haben Besucher die Möglichkeit die Kunst des Geigenbaus zu entdecken, beispielsweise bei einem Besuch der Geigenbauateliers von Philippe Devanneaux.

 

Auf der Suche nach der Seele der Violine

 

Unzählige Werkzeuge in verschiedenen Größen, geordnete Holzstücke und geheimnisvolle kleine Fläschchen fallen im Atelier ins Auge. Unbekannte Düfte ähnlich dem von Harz erfüllen den Raum. Mit viel Liebe zum Detail erklärt Philippe Devanneaux leidenschaftlich und freundlich mit welchen Techniken und Werkzeugen eine Geige entsteht: „Eine Geige herzustellen ist nicht kompliziert.“ Es gäbe kein Geheimnis bei den berühmten Stradivarigeigen, vielmehr käme es beim Geigenbau darauf an „keine Fehler“ zu machen. Der Bau einer Geige beginne mit der Auswahl von „gutem“ Holz. Für die Decke verwende er 200 Jahre altes Fichtenholz aus den Dolomiten. Das es sich um gutes Holz handelt beweist er den Besuchern, indem er auf das Holzstück klopft. Es ertönt ein erstaunlich heller und satter - Xylophon-ähnlicher - Klang. Allein beim Streicheln des Holzes könne er sich den Klang der Geige vorstellen. „Die Phantasie ist Teil unserer Arbeit“ erklärt er und reicht den Besuchern das noch unbearbeitete Holzstück zur Eigenerkundung, denn in seinem Atelier dürfen die Besucher die Materialien, die er frei gibt, erhören, erfühlen und erschnuppern. Nach monatelanger Millimeter- und Geduldsarbeit mit zahlreichen Werkzeugen wie Sägen, Hohlmeißeln, Biegeeisen, großen und winzigen Wölbungshobeln, Feilen und Pinseln ist es endlich soweit: die Geige bekommt ihrer „Seele“. Die Lage dieses kleinen, zylinderförmigen Stäbchens, auch Stimmstock genannt, bestimmt den Klang des Instruments. Weil jede Geige ihren eigenen „Stimme und Charakter hat, die sich über Jahrhunderte weiterentwickelt“, muss auch für jedes Instrument die ideale Position des Stimmstocks gefunden werden. Nur so können die klanglichen Möglichkeiten des Instruments voll ausgeschöpft werden.

Wer mehr über die Geschichte der Methoden, Werkzeuge und Wissen der berühmtesten Geigenbauer der Welt erfahren möchte, sollte das Museo del Violino besuchen. Verschiedene Säle erzählen von den Ursprüngen der Geige bis hin zu modernen internationalen Geigenwettbewerben. Im „Der Schatz“ genannten Saal sind die wichtigsten Instrumente der klassischen Meister aus Cremona zu sehen. Berühmte Instrumente wie zum Beispiel die Geige „Il Cremonese“ von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1715 und die der Familien Amati und Guarneri gehören zu dieser Sammlung.

 

Stadtrundgang und kulinarische Spezialitäten in Cremona

 

Nicht nur für Geigenliebhaber lohnt sich ein Besuch in Cremona. Von den Römern im 3. Jahrhundert vor Christus gegründet beindruckt Cremona heute mit historischem Flair, malerischer Altstadt und erholsamer Atmosphäre. Hübsche Plätze, der prächtiger Dom aus dem 12. Jahrhundert, das Rathaus und ein 111 m hoher Glockenturm laden zum Verweilen ein. Auf dem Marktplatz rund um der Piazza del Comune können jeden Samstag zwischen 7 und 13 Uhr typische Produkten aus der Region wie Käse, Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren aber auch Mode erworben werden. Bekannt ist die Cremoneser Küche durch ihre harmonischen Wechsel von rustikalen, einfachen Gerichten und raffinierten Speisen, bei denen das Gleichgewicht zwischen Süßem und Salzigem gewahrt bleibt. Während tagsüber reges Treiben auf der Piazza herrscht, verlagert sich das Geschehen abends in die Randbereiche des Platzes, wo zahlreiche Restaurants mit regionalen Köstlichkeiten warten. Besonders empfehlenswert ist das Restaurant „Il Violino“, das mit exzellenten Essen und angenehmer Atmosphäre überzeugt.

 

Sirmione – Perle des Gardasees

 

Der Gardasee beeindruckt mit der Schönheit seiner Farben, einzigartigen Bergenkulissen und mediterranem Klima. In diesem Winkel der Lombardei gibt es einige der schönsten Orte Italiens. So wird das kleine Städtchen Sirmione, das am Südufer des Gardasees auf einer circa vier Kilometer langen Halbinsel liegt, gerne Perle des Gardasees genannt. Das Wahrzeichen von Sirmione ist die eindrucksvolle, von Wasser umspielte Skaligerburg, eine der am besten erhaltenen Burgen Italiens. Steigt man auf die Außenmauer der Wasserburg, eröffnen sich malerische Blicke auf Sirmione und den südlichen Gardasee. Die Burg an der großen Piazza Castello und ein kleiner Hafen bilden den Eingang zur historischen Altstadt, die über eine Brücke erreicht wird. Beim Spazierengehen durch die pittoresken Gassen der Altstadt mit ihren historischen Steinhäusern können Besucher Boutiquen, Restaurants und Eiscafés entdecken. Ein Geheimtipp ist das Restaurant „Il Girasole“ in dem man gerne länger verweilt und regionale Köstlichkeiten probiert. Die Ausgrabungsstätte einer römischen Villa, „Grotten des Catull“ genannt, ist eine besondere Sehenswürdigkeit. In dieser wurden einige Szenen des Kinofilms „Call me by your name“ gedreht. Beim Rundgang durch die Anlage entdeckt man einen alten Olivenhain. Die sattgrünen Farben der Natur bezaubern. Den Sonnenuntergang kann man am Jamaica Beach genießen. Vom Naturstrand aus Steinplatten aus hat man einen schönen Ausblick auf den Gardasee. Eine kleine Bar bietet dazu passend gekühlte Getränke an und sorgt für Karibik-Flair.

 

Wein und Genuss in Franciacorta

 

Wer sich auf dem Weg nach Bergamo macht, kann einen Abstecher in die Region Franciacorta einplanen. Während die Schaumweine aus Franciacorta bei italienischen Weinliebhabern sehr beliebt sind, sind sie außerhalb ihres Heimatlandes ein Geheimtipp. Beim Besuch eines Weinguts, z.B. „Al Rocol“, kann man sich von der Einzigartigkeit des Geschmacks überzeugen. Nach einem Rundgang durch die traditionellen Weinkeller genießt man bei frischem Brot, regionaler Salami, Käse, Oliven und Brot die spritzigen, schäumenden Weine. Für die Schaumweine, die ausschließlich mittels Zweitgärung in der Flasche hergestellt werden, erhielt Franciacorta bereits 1995 als erste Region die Ursprungsbezeichnung DOCG. Auf der Fahrt durch die Weinberge stößt man immer wieder auf Radfahrer, Wanderer und andere Sportler. Dann geht es weiter nach Bergamo.

 

Bergamo – die zwischen Himmel und Erde hängende Stadt

 

Ein Geheimtipp bei einer Reise durch die Lombardei ist die 50 km von Mailand entfernt liegende Stadt Bergamo. Die wunderschöne, auf einem Hügel gelegene Altstadt und das Alpenpanorama machen die Stadt zu einem faszinierenden Reiseziel. Schon aus der Ferne erkennt man, dass die Stadt außergewöhnlich ist. Auf einem Hügel thront die von imposanten Festungsmauern umgebene Altstadt (Citta Alta), während sich unterhalb von ihr die Neustadt (Citta Bassa) erstreckt. Verbunden sind Alt- und Neustadt durch eine historische Standseilbahn. Deshalb kann es Besuchern so vorkommen, als würde Bergamo zwischen Himmel und Erde hängen. Obwohl auch ein Bus Neu- und Altstadt verbindet, lohnt sich die Fahrt mit der von den Einheimischen „Funicolare“ genannten Seilbahn, da diese einen wunderschönen Ausblick über die Poebene bietet. Zahlreiche Kirchen und Brunnen, historische Paläste und mittelalterliche Gassen verleihen Bergamo einen antiken Zauber. Das Stadtbild ist bis heute geprägt durch den historischen Einfluss der Venezianer. Der Kern der Altstadt ist von einer sechs Kilometer langen Stadtmauer umgeben, welche 1588 errichtet wurde. An manchen Stellen ragt das imposante Bauwerk 50 Meter in die Höhe. Das Herz der Stadt ist die Piazza Vecchia. Dort befinden sich der Justizpalast „Palazzo della Ragione“, der Palazzo des früheren venezianischen Stadtvogts und gegenüber der weiße Palazzo Nuovo. Seine Bibliothek „Angelo Mai“ ist eine der wichtigsten in Italien. Vom Glockenturm „Campanone“ aus hat man einen schönen Ausblick auf die ganze Stadt und die umliegenden Berge. Mitten auf der Piazza Vecchia steht der ein hübscher, unter anderem mit weißen Löwen verzierter Brunnen.

 

Von Kirchen und Stracciatella

 

Auf der Piazza del Duoma befinden sich drei Kirchen unterschiedlicher Epochen, welche schon von außen durch ihre Größe beeindrucken. Im Inneren faszinieren Decken-Fresken und goldene Elemente. So zieren prunkvolle Fresken und detailreiche Figuren im Dom zu Bergamo die Wände und Decken. In der Kirche Santa Maria Maggiore können Besucher sich von der barocken Innenarchitektur überraschen lassen. Die Fassade der Cappella Colleoni aus weißen, schwarzen und roten Marmorsteinen ist ein bedeutendes Zeugnis der Renaissance. Den schönsten Ausblick über die Stadt und das Bergpanorama hat man vom Castello San Vigilio, welches mehrere Jahrhunderte als Residenz der Herrscher von Bergamo diente. In der Altstadt liegen mehrere Drehorte des Filmes „Call me by your name“. Gedreht wurde auch am Wasserfall von Bergamo. Besonders stolz sind die Einwohner der Stadt darauf, dass in Bergamo das Stracciatella-Eis kreiert wurde.

 

Die aus dem Film bekannte Lombardei kann man an einem verlängerten Wochenende mit dem Mietwagen auf eigene Faust erkunden. Die Metropole Mailand ist mit dem Flugzeug hervorragend angebunden – dann geht es im eigenen Tempo weiter auf den Spuren von Elio und Oliver. Bei der Entdeckungsreise lernt man die reiche Geschichte der norditalienischen Region kennen und entdeckt viele Facetten der italienischen Lebensart.



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