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Vom Entwicklungsprojekt zum Wirtschaftsmotor


Afghanistan gilt derzeit als ein Land, das mit den Taliban und Drogenbaronen zu kämpfen hat. Die von der NATO geführte International Security Assistance Force (ISAF) hat mit beiden Gruppierungen alle Hände voll zu tun. Kriegsähnliche Zustände wie im Irak sind vor allem im Süden an der Tagesordnung. Die normalen Bürger leiden darunter. Neben NGO’s gibt es aber auch andere private Initiativen, die mithelfen wollen, das Land wieder aufzubauen. So rief der Privatmann Bastian Kuhl aus Deutschland die Afghan Business School ins Leben.


Die Afghan Business School

Im Juli 2006 fiel der Startschuss für das Projekt der Afghan Business School (www.afghan-business-school.com). Zusammen mit fünf ehemaligen Kommilitonen erstellte der Diplom-Kaufmann Bastian Kuhl ein Konzept für den Aufbau einer Hochschule in Afghanistan. „Natürlich war es reichlich naiv in einem von Kriegen gebeutelten Land ohne großen finanziellen Background so ein Projekt zu starten. Aber wir sind auf einem guten Weg“, erläutert Kuhl, der Direktor der Afghan Business School. Mittlerweile hat die Schule über 80 Studenten in drei unterschiedlichen Semestern. Auch drei Frauen befinden sich unter ihnen. In einem patriarchalisch geprägten Land keine leichte Sache. Alle sind eingeschrieben im Studiengang „Master of Business Studies“.

 

Kunduz und Feyzabad als Anlaufstellen

In Kunduz, im Norden Afghanistans, sowie in Feyzabad, im Nordosten des Landes, hat die Afghan Business School je ein Büro. Hier können die Studenten ihre Studienunterlagen aus dem Internet herunterladen und ausdrucken. Doch die Verbreitung ist nicht nur auf die beiden Städte im Norden konzentriert. Insgesamt haben sich Studenten aus acht Provinzen des Landes angemeldet.

 

Von der Theorie in die Praxis

Sayed Murtaza ist einer von ihnen. Er sagt, warum ihm diese Form des Studierens so reizt: „Die Vermittlung des Wissens über das Internet gefällt mir sehr gut. Zu Beginn war ich nicht sicher, ob diese Ausbildungsform so effektiv ist. Aber später stellte ich fest, dass es besser ist, per Fernunterricht zu studieren, als in einer langweiligen Klasse zu sitzen. Dadurch habe ich mehr Zeit zum Lernen und zum Lesen. Ich habe eine größere Freiheit, aber ich muss auch disziplinierter sein.“

Bei Studenten wie Sayed handelt es sich um junge Menschen, die in ein paar Jahren die Geschicke von Firmen leiten werden, Unternehmen gründen und die Wirtschaft vorantreiben - die künftige Elite Afghanistans.

 

Hohe Anforderungen – Das Studium verlangt viel

Deshalb kann auch nicht jeder an der Schule studieren. Zulassungsvoraussetzungen der Schule sind neben guten Englischkenntnissen auch eine dreijährige Berufserfahrung, vielleicht sogar einige Semester Hochschulstudium. Alle müssen einen High School Abschluss haben. Im Einstiegstest werden die Voraussetzungen abgeprüft. Viele schaffen diese Hürde nicht. Auch das Studium selbst ist nicht leicht.

So hatte die Schule bis vor wenigen Wochen noch über 100 Studenten. Davon meldeten sich aber einige wieder ab, weil das Studium für sie zu schwer war. Auch Student Sha Mohammed Tariq überlegte, das Studium abzubrechen: „Meine Freunde und meine Familie unterstützen mich dahingehend, mein Studium bis zum Schluss durchzuhalten. Das ist wichtig für mich.“

 

Nach drei Kursen wartet dann der Titel „Business Manager“ auf Sha Mohammed. Wenn er insgesamt sechs Semester und eine Masterarbeit hinter sich gebracht hat, kann er sich „Master of Business Studies of the Afghan Business School“ nennen.

Dies ist kein offiziell anerkannter Titel – weder in Afghanistan noch Deutschland. Direktor Bastian Kuhl weiß um dieses Manko: „Derzeit stehen wir in Verhandlungen mit Schulgremien in Afghanistan, um eine Akkreditierung zu erhalten. Dann wird sicherlich auch der Studiengang und die Schule an sich aufgewertet.“

 

Studieren neben der Arbeit

Den Studenten scheint das wenig zu kümmern. Immerhin erhalten sie Wissen, das sie schon während ihres Studiums anwenden können. Die meisten von ihnen arbeiten hauptberuflich und beschäftigen sich nach der Arbeit mit dem Studium. Student Sha Mohammed Tariq erklärt, warum das Studium ihm schon jetzt hilft: „Das Studium ist sehr wichtig für meine Arbeit. Ich bin Assistent der Organisation UNAMA im Büro Feyzabad. In der Vergangenheit war ich immer genervt, wenn ich eine Aufgabe an meine Unterstellten weitergab und sie nicht genau verstanden, was ich von ihnen wollte. Jetzt hingegen weiß ich durch das Studium, wie ich meine Aufgaben richtig kommunizieren muss.“

 

Soziales Unternehmertum als Basis für die Zukunft

Und genau darum geht es Bastian Kuhl und seinen Mitarbeitern in erster Linie. „Wir wollen in Afghanistan ein wenig mithelfen, die Entwicklung in diesem Land voranzubringen. Und das funktioniert am besten über einen gut ausgebildeten Wirtschaftsnachwuchs.“ Seit März dieses Jahres wird bereits der dritte Kurs angeboten. Anfang 2008 sollen dann die ersten Studenten ihr Zertifikat zum „Master of Business Studies“ in Händen halten können. Viel wichtiger als der Abschluss ist aber das erworbene Wissen, was sie für den Aufbau des Landes einsetzen können. Vielleicht ist Sha Mohammed auch bald einer von ihnen?

 

 

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Bastian Kuhl wird 2008 seinen MBA an der European School of Business Reutlingen erhalten. Mit diesem und seinem Engagement für die Afghan Business School vereint er alle notwendigen Fähigkeiten, die heutzutage auf dem freien Arbeitsmarkt wichtig sind: Entrepreneurship gepaart mit sozialem Engagement.

 

 

 

 



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