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Von der Schulbank zum Schuldirektor


Studieren ist gut, gleichzeitig das theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen, ist besser. Und wenn man dann noch etwas Gutes tut, hängt der Himmel voller Geigen. Diplomkaufmann Bastian Kuhl, 32 ist ein solcher Glückspilz. Seit knapp zwei Jahren ist er der Direktor der Afghan Business School und schult die angehende Elite Afghanistans in Managementwissen.


MBA Studium – das Maß aller Dinge

Der studierte Wirtschafts- Organisationswissenschaftler (WOW) der Universität der Bundeswehr München entschied sich vor zwei Jahren für einen Aufbaustudiengang - einen Master of Business Administration (MBA). An der European Business School Reutlingen qualifiziert er sich damit weiter. „Dieser MBA bietet mir die Möglichkeit, meine im Erststudium erlangten Kenntnisse weiter zu vertiefen und gleichzeitig praktisch anzuwenden.“, sagt der derzeitige Offizier der Bundeswehr.

 

Die zündende Idee

Aufgrund zweier Auslandseinsätze in Afghanistan und vor allem durch sein Studium an der EBS Reutlingen kam er auf seine zündende Idee: “In Afghanistan ist „Bildung“ nach dem Thema „Sicherheit“ ein wichtiges Aufgabenfeld für die internationale Gemeinschaft. Im Bildungsbereich fehlt aber noch die Schulung von fundiertem, praxisorientierten Managementwissen.“ Hier sieht er einen Markt, der noch weitgehend unbearbeitet ist. Und diesen will er erschließen. „Die Afghan Business School möchte einen kleinen Beitrag zum nachhaltigen Wiederaufbau des Landes leisten“, erläutert Kuhl.

 

Soziales Unternehmertum als Basis für die Zukunft

Und genau darum geht es Bastian Kuhl und seinen Mitarbeitern in erster Linie. „Wir wollen in Afghanistan ein wenig mithelfen, die Entwicklung in diesem Land voranzubringen. Und das funktioniert am besten über einen gut ausgebildeten Wirtschaftsnachwuchs.“ Damit zählt Bastian Kuhl zu den innovativen und unternehmerischen Menschen in aller Welt, die sich für solch soziale Projekte engagieren. Dieses Sozialunternehmertum heißt neudeutsch: Social Entrepreneurship und ist auf eine langfristige Perspektive ausgelegt.

 

Seine soziale Ader kann Bastian Kuhl dadurch gekonnt mit hartem Businesswissen koppeln. Die Afghan Business School erlaubt es ihm beides miteinander zur Geltung zu bringen. Denn der Koblenzer fühlt sich sozial verantwortlich für die Afghanen: „Andere Menschen übernehmen die Patenschaft eines Kindes in der dritten Welt oder spenden für anonyme Organisationen. Ich möchte gern hier einen anderen Weg gehen“, sagt er.

 

Seit April 2006 bietet er mit weiteren Wirtschaftsabsolventen per Fernunterricht in Afghanistan Managementwissen an. Alle Dozenten der Schule sind Fachleute auf ihrem Lehrgebiet. Jeder hat mindestens einen Diplomstudiengang mit Schwerpunkt seines Faches erfolgreich absolviert.

 

Die Afghan Business School

Die Studienunterlagen sind sehr detailliert und so aufbereitet, dass sie das notwendige Wissen einfach veranschaulichen. Die Inhalte werden durch wöchentliche Tests und am Ende eines jeden Kurses durch sogenannte fallstudienbasierte „Final-Exams“ abgeprüft. Nach diesen Prüfungen werden den Studenten Zertifikate verliehen, die aufeinander aufbauend unterschiedliche Abschlüsse ermöglichen.

 

Der Direktor der Afghan Business School sagt: „Das vermittelte Management-Know-How mit hohem Praxisbezug können die afghanischen Studenten nach ihrem Studium erfolgreich nutzen.“ Die ersten Studenten werden Anfang Juli ihr Zertifikat „Business Manager“ für die erfolgreiche Absolvierung dreier Lernabschnitte erhalten.

 

Fernunterricht geht in die Fläche

In Kunduz, im Norden Afghanistans, sowie in Feyzabad, im Nordosten es Landes, hat die Afghan Business School je ein Büro. Hier können die Studenten des Modulstudiums ihre Studienunterlagen aus dem Internet herunterladen und ausdrucken. Derzeit studieren 70 afghanische Studenten an der Afghan Business School. Darüber hinaus wird das Kursangebot voraussichtlich im Laufe des Jahres auch in Mazar-e-Sharif und Kabul angeboten werden.

 

Pläne für die nähere Zukunft

Zunächst steht die Realisierung des Curriculums auf dem Plan. Ab März dieses Jahres wird bereits der dritte Kurs angeboten werden. Die erste erfolgreiche Durchführung des Curriculums des ersten Studienjahrgangs ist bis Ende 2007 geplant. Darüber hinaus soll die Schule in Afghanistan erweitert werden. „Langfristig ist auch eine internationale Ausdehnung der Aktivitäten z. B. nach Pakistan vorstellbar“, so Direktor Bastian Kuhl.

 

Unterstützung ist gefragt

Die Schule wird derzeit durch die Sinn-Gesellschaft (www.sinn-gesellschaft.org) und die Stiftung Drei-zum-Leben (www.drei-zum-leben.org) unterstützt. Darüber hinaus hat die Schule viele Kontakte zu interessierten Menschen. Diese fördern das Projekt in vielerlei Hinsicht. Weitere Förderer, Interessenten und Alumni können sich direkt an die Schule wenden(kuhl@afghan-business-school.com).

 

Doch nicht nur Stiftungen und Geldgeber sind Bastian Kuhl willkommen. Er bietet Studenten vor allem im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich Seminararbeiten, Projektstudien oder sogar Diplomarbeiten an. „Studenten, die eine Projektarbeit bei uns absolvieren, erlangen dadurch wertvolle interkulturelle Erfahrung. Gleichzeitig helfen sie mit, die wirtschaftliche Entwicklung in Afghanistan voran zu bringen.“

 

Bastian Kuhl wird 2008 seinen MBA an der European School of Business Reutlingen erhalten. Mit diesem und seinem Engagement für die Afghan Business School vereint er alle notwendigen Fähigkeiten, die heutzutage auf dem freien Arbeitsmarkt wichtig sind: Managementwissen gepaart mit sozialem Engagement.

 

Thomas Brackmann

 

 

 



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