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Es macht „Kawumm“ im GOP-Varieté


Eigentlich bleiben Regisseure im Varieté im Hintergrund. Doch für das neue Programm des Essener GOP-Varieté macht Markus Pabst eine Ausnahme. Er schlüpft nach 25 Jahren im Hintergrund in die Rolle des braven Beamten Mutzmann und zeigt seine vielseitigen Talente. Begleitet wird Mutzmann von internationalen Artisten, die seiner zahlenlastigen Welt Leben und Poesie einhauchen. Auch musikalisch wird einiges geboten: Unter anderem erklingt Puccinis „Nessun dorma“.


Foto: GOP Varieté

Foto: GOP Varieté

Foto: GOP Varieté

Foto: GOP Varieté

Akten. Mehr Akten. Und noch mehr Akten. Das Leben im Büro des Beamten Mutzmann wirkt eintönig und fad. Doch während der Buchhalter noch an seinem Schreibtisch sitzt, beginnen Tanz und Musik. Plötzlich beginnt Mutzmann im Takt der Musik auf seiner Rechenmaschine zu tippen – denn offenbar steckt in der scheinbar grauen Welt doch eine Menge Lebensfreude. Jede einzelne Zahl verbindet der Buchhalter mit Gefühlen, Bildern und Erlebnissen. So tauchen die Zuschauer im Varieté ein in die Welt der Helden der Kindheit des Buchhalters. Und sie erleben Saleh Prinz Yazdani. Der 20jährige erzählt zu einer besonderen Version von „Hoppe Reiter“ eine akrobatische Geschichte über Loslassen und Erwachsenwerden. Die Handstandakrobatik zeigt der Artist auf einem überdimensionalen Schaukelpferd – das er teils auf einer Kufe in Balance hält.

 

 

Bei den Collins Brothers gibt es anschließend viel zu lachen. Mit ihrem schrägen Humor ziehen die beiden das GOP-Publikum in ihren Bann. Beim Versuch den bekannten Zaubertrick „Zersägte Jungfrau“ vorzuführen, stürzen Helmut und sein Bruder von einem Fettnäpfchen ins nächste. Auch ein Picknick an einem stürmischen Tag wird mit den Berliner Brüdern zu einem besonderen Erlebnis. Erst 22 Jahre alt ist Donial Kalex. Der Jongleur präsentiert sein Können zu wummernder Techno-Musik. In seiner perfekt ausgearbeiteten Choreografie wirbelt er beleuchtete LED-Stäbe durch die Luft. Die programmierten Lämpchen verwandeln die Stäbe in der Bewegung in Flammen und sogar Schriftzeichen. Auch das Duo Sienna fasziniert. Sina Brunner und Vienna Holz erklettern den Pole mit Leichtigkeit. Ihre verschlungenen Körper drehen sich um den Mast, an dem sie die Bewegungsabläufe wie in Zeitlupe präsentieren. Dass die beiden neben Anmut und Eleganz auch jede Menge Kraft haben wird klar, als eine sich um den Mast dreht, während die andere an ihrem Körper hängt. Nach soviel Eleganz ist es wieder Zeit für den „kleinen Helmut“ von den Collins Brothers. Zu den Klängen von Rammsteins „Du hasst“ dreht dieser sich in einem Betonmischer im Kreis – und zeigt dabei viele kreative Einfälle.

 

 

Am Trapez zeigt Anna Shvedkova ihr Talent. Sie wirbelt um die Stange des Trapez und scheint dabei durch die Luft zu tanzen. Dabei spielt sie mit den Emotionen der Zuschauer. Sie lässt sich von der oberen Stange des Trapez fallen und ergreift nach einer Schrecksekunde im Publikum die untere. Später hält sie sich nur mit einer Schlaufe im Nacken in der Luft und fliegt über der Bühne. Nur schwer kann man sich in der Pause entscheiden, welche Darbietung die beste der ersten Hälfte von „Kawumm“ gewesen ist. Nach der Pause geht es musikalisch weiter. Der chinesische Sänger Ye Fei überrascht mit „Nessun Dorma“. Dass auch ein Mann am chinesischen Mast überzeugen kann, beweist Alessandro di Sazio. Kopfüber hängt der bärtige Artist am Mast. Nebel und Flutlicht tauchen die Bühne in eine besondere Atmosphäre. Schließlich hängt er nur mit den Kniekehlen am Mast und spielt mit der Schwerkraft. Dann ist noch einmal Donial Kalex an der Reihe. Er jongliert zunächst mit einem Ball – mit den Füßen. Schließlich steigert sich die Zahl der Bälle bis auf sechs. Auch Markus Pabst hat immer wieder kleinere Auftritte. Bei einem zieht er mit den Artisten wie zu einer Prozession in den Saal ein. Dort verliest er eine groß angeschlagene Predigt. Dann wird es spannend. Als die Rolle mit den Worten in die andere Richtung gedreht wird, bekommen die gleichen Worte eine völlig andere Bedeutung. Das dürfte auch Paradiesvogel Jack Woodhead gefallen, der mit Gesang und am Piano durch den Abend führt. Mann oder Frau? Zumindest der Kleidungsstil lässt viel Raum für Interpretation.

 

 

Schließlich wendet sich der Blick wieder zur Bühne. Dort sind Anna Shvedkova und Saleh Prinz Yazdani bei einer ungewöhnlichen Variante der Partnerakrobatik zu sehen. Unter anderem macht er Handstand auf ihrem ausgestreckten Bein. Und Handstand auf ihrem zur Brücke durchgedrückten Körper. Gezeigt wird „Kawumm“ noch bis zum 9. Juli 2017 im Essener GOP-Varieté. Karten gibt es telefonisch (0201/2479393), an der Abendkasse und über Internet.



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