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Echt falsch! – Madame Tussauds in Berlin


Schon über 200 Jahren beeindruckt und fasziniert die wohl berühmteste Londoner Attraktion – das Wachfigurenkabinett der Madame Tussaud – seine Besucher. Die Ausstellung bietet ein Panoptikum aus Stars, berühmten Personen aus Politik, Musik, Film, Sport sowie historischen Persönlichkeiten. Seit etwa einem Jahr ist Madame Tussauds mit einem Standort in Berlin vertreten.


Madame Tussauds gehört zur Merlin Group, die mit Legoland, Heide Park, Sea Life, Dungeon und weiteren Freizeiteinrichtungen über ein weit verzweigtes Entertainment-Imperium verfügt. Bei der Zahl der Besucher spielt Merlin damit in einer Liga mit Disney und MGM. Die Gruppe sieht sich als „neue Macht auf dem weltweiten Freizeitmarkt“. Merlin wiederum gehört mehrheitlich zur Blackstone Group, der börsennotierten Private-Equity-Gesellschaft, die durch ihre aggressiv geführten Unternehmensbeteiligungen bekannt wurde. Davon ist bei Madame Tussauds in Berlin nichts zu merken. Der Besucher trifft in der tageslichtlosen Ausstellung auf Barack Obama, Michael Jackson und Günter Grass und fragt sich: Hat der sich nicht gerade bewegt? Geblinzelt? Geatmet? Die Besucher gehen ganz nah ran, machen große Augen. Doch kaum einner wagt, eine der 250.000 Euro teuren Figuren zu berühren. Dabei ist Anfassen ausdrücklich erlaubt. Einen Teil der Figuren stellt Madame Tussauds bereits auf seiner Internetseite vor.

 

Das Ziel an den weltweit 55 Attraktionen der Unternehmensgruppe: Erinnerungswürdige Erlebnisse schaffen. Dies gelingt bei Madame Tussauds schon beim Eintritt: Um stolze 19 Euro wird der Besucher erleichtert, eine Familie mit zwei Kindern zahlt so für einen spontanen Besuch 66 Euro. Eine Online-Buchung ist immerhin zehn Prozent günstiger. Die Besucher profitieren dabei doppelt. Sie werden nicht nur unterhalten, sie bekommen auch ein Ersatzerlebnis: Wer Robbie Williams nicht live bei einem Konzert erleben kann und es auch bei Günther Jauch nicht auf den „heißen Stuhl“ bei „Wer wird Millionär?“ schafft, kann sich immer noch mit der Wachsausgabe fotografieren lassen. Doch bei manchen Figuren wäre es angenehm zu wissen, sie existierten tatsächlich nur als schweigender Doppelgänger (z. B. Bill Kaulitz, Tokio Hotel). Mit anderen hingegen würde man sich gerne mal unterhalten (z. B. Einstein, Freud) Daneben gibt es zahlreiche Möglichkeiten selbst aktiv zu werden: Seine eigene Hand in Wachs gießen oder virtuelle Elfmeterschüsse auf Oliver Kahn.

 

Insgesamt eine sehenswerte Einrichtung in zentraler Lage Berlins, die jedoch mit den zahlreichen einmaligen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt in hartem Wettstreit steht.



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