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Unterwegs im Himalaja


Sonntag, 10. Tag

 

Zurück über Straßen, die eher ausgetrockneten, steinigen Flussläufen gleichen, geht es zurück in ein neues, nach englischem Landhausstil ausgestatteten Hotel. Doch vorher schauen wir noch in der Stadt Panauti vorbei - und sind schlagartig in einer Stadt des Mittelalters! Diese 500 Jahre alte Stadt besitzt noch eine richtig urtümliche Stadtmauer, Tempel, verrottete Häuser, einen Fluss, kleine, schummrige, mit original Nike und Adidas-Sachen ausgestattete Läden. Diese irre Atmosphäre, die ich mir bisher immer nur vorstellen konnte, wird noch einmal stark durch die schnell einbrechende Dunkelheit betont. Wow.


Im Hotel sitzen wir mit dem Aperitif am offenen Kamin und diskutieren mit Kamelh, einem der Honoratioren vor Ort, über Hinduismus, Buddhismus, Nepal. Er schafft es tatsächlich, uns die eigentliche Philosophie des Hinduismus zu erklären: Mein eigenes Karma wird durch mein Handeln in Vergangenheit, Augenblick und Zukunft beeinflusst, muss für jede Handlung die Verantwortung tragen. Was gut ist und was schlecht, muss ich selber für mich herausfinden. Ins Nirwana kommt nicht meine Persönlichkeit, die ja materiell ist, sondern nach vielen Wiedergeburten meine Seele, die von allen materiellen Bewegungen, Gedanken befreit ist.

 

Dr. Ram kommt zu uns, während wir endlich mal wieder ordentliche Steaks mit Pommes bekommen. Er ist der Leiter einer von ihm selbst geschaffenen Privatklinik, die inzwischen über 120 Mitarbeiter hat. Er selber hat 15 Jahre lang in Wien/Österreich studiert und eine österreichische Frau, bis er vor einigen Jahren mit seiner Familie zurückkehrte und mit westlicher Arbeitsmoral, -Ausbildung uns -Sauberkeit seine Klinik aufbaute. Die laufenden Kosten können durch die Einnahmen zwar gedeckt werden (Gebühr der Patienten, Subventionen des Staates, die aber sehr gering sind), doch für sämtliche Geräte benötigt er Sponsoren. Es gibt inzwischen auch einige Ärzte und Krankenschwestern aus Europa und Amerika, die mit ihm inzwischen zusammenarbeiten, ihm helfen.

 

In den Zimmern wird es auch nicht gerade warm - kleine Benzin-Heizeinrichtungen, riesen Fensterflächen, keine Isolierung. Da kann ein Heizgerät 1.500 Watt verbraten und die Nacht durchlaufen - es bleibt scheiße kalt.

 

 

Montag, 11. Tag (Nikolaus)

 

Um 04 Uhr morgen werde ich hier geweckt, das Wasser ist gerade so lauwarm – grauenvoll. Abscheulich. Kalt. Aber der Flieger soll um 07 Uhr gehen, abholen wollten uns die Sherpas um 04.30 Uhr. Ha ha. Um 05.40 Uhr sind sie schließlich da, eine Stunde später sind wir am Flughafen, Hektik. Schade nur, dass wegen Nebels und anderweitiger Auslastung der beiden Flugzeuge von Lumbini Airways der Abflug auf eventuelle 11 bis 12 Uhr verschoben wird. Also Ruhe bewahren, an den heutigen Nikolaustag denken (in meinen Schuhen war leider nix), an das gestrige Nikolaus-Turnier meiner Fechter zu Hause und Breakfast machen. Jetzt, um 10 Uhr sehen wir uns erst mal nach Alternativen um.

 

Um 10.30 Uhr ist klar: wir werden zu fünft alleine in einer kanadischen Twin Otter DH-6 eine Stunde lang nach Lukla fliegen, auf 2.800 Meter Höhe auf einer stark abschüssigen Schotterpiste landen und im Hochgebirge sein. Die Landebahn ist ganze 400 Meter kurz. Ahh! Aber der Pilot versteht sein Handwerk.

 

Wo liegt Fairfax? Kanada? Ein paar Mädels von dort haben die Höhenkrankheit, sehen ziemlich mies aus und kommen heure nicht mehr raus. Dumm gelaufen. Wir schlürfen Hühnersuppe. Dann geh`'s los zur ersten Trekking-Zwischenstation. Evtl. werde ich nur 9 Tage unterwegs sein, um mir noch etwas mehr Zeit in Katmandu zu gönnen und die Nepalesin aus dem Flieger aus Deutschland nach Nepal zu treffen. Ich werde zu Hause unbedingt eine neue, große Fototasche kaufen müssen - hier sind sie zwar billiger, aber so viel Kohle habe ich halt doch nicht dabei...

 

Die hier ist einfach kaputt und zu klein. Ich sehe jetzt schon die Rechnung des Fotolabors von den 10x15-Bildern.

 

Wir übernachten in einer Lodge auf 2.600 Metern. Tenji (sprich: Ten-Sing) ist unser Sherpa, der uns bis nach Gokyo führen soll.

 

Gutes Essen, aber Reis, Jak-Käse und Kaffee sind zu viel für meinen Magen, der sich in der Nacht mehrfach mit Bachschmerzen meldet. Nach dem Klogang ist es aber wieder okay...



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